Raum404


Expo 27
Expo 27
Expo 27

Expo 27

2014


Die Schweiz ist ein Land mit zahlreichen kulturellen Einflüssen, Sprachen und Religionen und hat dennoch eine starke gemeinsame Identität. Neben den regionalen traditionsreichen Elementen findet man in der Ostschweiz grundlegende Bestandteile der Gesamtschweiz. Die Koexistenz dieser Unterschiede ist von Innen und Außen betrachtet oft ein Rätsel. Die Aufgabe der Expo2027 wird sein, dieses Rätsel zu ergründen, die Vielfalt zu Tage zu tragen und gleichzeitig die Frage danach zu stellen, was die Schweiz im Innersten zusammenhält.

Die atmosphärische Stimmung wird vor allem durch den Ort selbst und die Belebung durch die Besucher erzeugt. Die drei beteiligten Kantone der Ostschweiz in ihrer Gemeinschaft können als ‚Gesamtschweiz en miniature’ dem Austragungsort einer Landesausstellung mehr als gerecht werden. Man findet dort elementare Bestandteile des Landes und seiner Identität. Der Säntis als Vertreter der Alpen, der Bodensee und die Flusslandschaften des Mittellandes bis hin zu den industriellen Zeitzeugen, die dem Land den Aufschwung gaben. Die Expo2027 wird landschaftliche Höhepunkte in verschiedenen Qualitäten besitzen. Während Bodensee und Säntis als Erholungs- und Erlebnisorte etabliert und erschlossen sind, bestehen zusätzlich im voralpinen Mittelland zahlreiche Wald- und Flussauengebiete.

Die Standorte der Expo2027 verteilen sich auf die drei beteiligten Träger-Kantone. Urnäsch, Wil und Romanshorn sind in ihrer städtischen Entwicklung und landschaftlichen Umgebung jeweils verschieden. Die Charaktere der Orte sollen sich kontrastiert dem Besucher offenbaren und so verschiedene Spielorte mit verschiedenen Atmosphären bieten. Urnäsch als eine der letzten besiedelten Gemeinden vor dem Aufstieg zum Säntis hebt sich durch seine periphäre Lage und immer noch strassen-dörfliche Struktur unter den drei Standorten hervor. Die Erschliessung ist sogleich Herausforderung, wie auch Erlebnis für den Besucher. Als einzige markante alpine Erhebung der Bodenseeregion der Schweiz ist der Säntis landschaftlich ebenso prägend, wie der Bodensee. Von hier aus offenbart sich der Blick über die Ostschweiz und ihre Austragungsorte der Expo2027. Wil mit seiner Lage zwischen den nachwachsenden Metroplregionen Winterthur und St. Gallen befindet sich im Wandel zu einer ebensolchen. Das langfristige Zwischenstadium und die Entwicklung als Agglomeration in die kleinstädtischen Strukturen des Mittellandes sind eine Herausforderung für Planer und Bevölkerung, wie sie uns heute vielerorts begegnet. Dem Ort wird als Spielort eine besondere Aufmerksamkeit zukommen. Die Herausforderungen sind hoch und werden ambitionierte Projekte hervorbringen. Um das Zentrum herum befinden sich freie Flächen, die die Möglichkeit geben sich innerhalb der Expo in die Agglomeration zu integrieren. Die Besucher werden die bisherige und zukünftige Entwicklung einer exemplarischen schweizer Stadt miterleben können. Romanshorn ist für viele Zugreisende Metapher für das Ende der Schweiz. Und somit auch für den Anfang der Schweiz. Seine landschaftliche Qualität ist begründet in der Lage am Bodensee und der Umgebung aus voralpinem Hügelland. Als am weitesten in den Bodensee hineinragende besiedelte Fläche kommt dem Ort eine besondere Bedeutung als Spielort zu Gute. Der See ist nicht mehr nur Bühne, wie aus ehemaligen Landesausstellungen bekannt, sondern wird nun auch zum Standort des Betrachters mit Blick auf die Schweiz als Bühne. Unmittelbar am Hafen im Konversionsgebiet im Anschluss an den Bahnhof, besteht ein hohes Potential zur städtischen Wandlung.

Die Inhalte der Expo2027 verteilen sich auf ihre drei Standorte und zeigen jeweils den Bezug zur Herkunft, zur Gegenwart und zur Vision der Schweiz. In Urnäsch werden Tradition und Brauchtum mit einem einzigartigen Landschaftserlebnis den Besucher in einen Winkel der Schweiz führen, den sie so vielleicht nicht erwartet hätten. Ein Rundweg entlang der Vorläufer des Säntis gibt Abstand zur übrigen Expo2027 und lässt Zeit und Raum für Gedanken zum Ursprung der Schweiz. In Wil zeigt sich die gegenwärtige Situation der wachsenden Schweiz in Agglomerationen. Der starke Kontrast zwischen erhaltener Altstadt und den wuchernden Rändern Wils sind Ausgangslage für ein Abbild und eine Diskussion über Städtebau, verdichtetes Bauen und die Siedlungsentwicklung der Zukunft. Der Ort zeigt sich unpersönlich, verstreut und kurzsichtig. Wil ist Ausdruck für das, was 2027 tatsächlich in der Schweiz existiert. Romanshorn mit seiner Lage im Grenzgebiet ist Austragungsort für den internationalen Austausch. Das Verhältnis zum Nachbarn, die Migrationspolitik der Zukunft, die Innovation als Auszeichnung der Schweiz. Romanshorn wird zeigen, wie sich die Schweiz die Zukunft vorstellt und ob sie die Herausforderung annimmt. Die ‚neutrale Zone’ wird eine Bühne, die nach ihren Grenzen sucht. Entfernt von den Ufern des Sees wird der Abstand zu allen angrenzenden Nationen gleich gross und die Nähe zu Ihnen ebenso. Einem Museum gleich, wird der Rahmen einer jeden Ausstellung an diesem Ort zu einem neutralen Hintergrund, der alle bisherigen Urteile und Eindrücke eines Landes und ihrer Bewohner vergessen lässt. Es wird Platz gemacht für neue Eindrücke.

Bis zur Expo2027 wird sich die Entwicklung des Zugverkehrs weiter fortsetzen. Es gilt zusätzlich alle innovativen Verkehrskonzepte der Schweiz für die Expo2027 zu nutzen. Die Planung der Infrastruktur soll diese Entwicklung vorausschauend mit einbeziehen und an entscheidenden und nachhaltigen Orten bestärken. Der motorisierte Individualverkehr sollte weitestgehend ausgeschlossen werden. Das heutige Bahnnetz ist Grundlage der nachhaltigen Verkehrsplanung und kann mit den Investitionen zur Expo2027 davon profitieren. Per Zug werden die Städte Romanshorn und Wil bereits heute sehr gut und häufig am Tag erschlossen. Die zuletzt eingestellte Verbindung des Voralpen-Express sollte für die Landesausstellung wieder von Genf bis Romanshorn führen. Die Erhöhung der Frequenz aller Züge und S-Bahnen und die angepassten Fahrpläne können den Grossteil der Besucher befördern. In den Städten selbst kann mit den regionalen Beförderungsmitteln und in Ergänzung mit temporären Shuttlebussen ein lokales Angebot entstehen. Für die Erkundung der weitläufigen Ausstellungen stehen Velovermietungen in ausreichender Anzahl zur Verfügung. Bereits vorhandene lokale Logistikunternehmen können als Partner der Expo einen entscheidenden Teil zur organisatorischen Abwicklung mit kurzen Wegen beitragen. Kleine und mittlere Unternehmen beteiligen sich mit ihren Produkten für z.B. Verpflegung und Sanitäranlagen an der Expo. Auch die Armee sollte sich im logistischen Bereich zeigen. Ihr Potential zur Versorgung der Bevölkerung im Krisenfall kann auch für die Zeit der Landesausstellung einen Nutzen haben. Metropolregionen wie St. Gallen und Frauenfeld werden eingebunden durch ihre ohnehin schon vorhandene Anziehungskraft und Sehenswürdigkeiten. Für das Abendprogramm, die Übernachtung oder das Umsteigen auf eine anderes Verkehrsmittel werden diese Orte zu einem Teil der Landesausstellung. Die Ostschweiz als Ganzes wird erlebbares Abbild der Schweiz.

Ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich akzeptiert. Die Expo2027 soll in ihrer Planung von Beginn an stadtplanerisch begleitet werden. Parallel zur Planung der Ausstellung werden ihre Territorien und die Ideen zur Nachnutzung überprüft, so dass nach der Ausstellung keine weiteren Wettbewerbe zur Nachnutzung oder der Verkauf von Teilen der Ausstellung stattfinden müssen. Für den Ort gebautes soll dem Ort erhalten bleiben. Es wird zuerst in Bestehendes investiert und anschließend Neues gebaut. Die Bevölkerung der Gesamtschweiz soll ermutigt werden aktiv an der Gestaltung der Expo2027 mitzuwirken. Durch die Partizipation wird es eine Ausstellung von den Schweizern für Alle.

Team: Nino Baumgartner, Oscar Buson, Boris Buzek, Léonard Gurtner, Johannes Heine, Anne-Chantal Rufer